Endstation maturiert mit Auszeichnung

1994 kam sie zur Welt die liebe Endstation. Zwar war ich nicht bei der Geburt dabei, wie unser Präsi, Ladi und Pauli, doch war sie trotzdem von Anfang an mein Baby. Gleichsam als Kind (als Spieler) und Elternteil (seit 1999/2000 als Knackal) bestritten wir die Hälfte meines Lebens.

Erinnerungen an den ersten Schrei (in der Kandlgasse), die ersten Schritte (beim Turnier mit den CA-Dressen) und den Kindergarten (Aufnahme des Meisterschaftsbetriebs in der DSG) werden wach. Wir waren jung, wussten nicht wer oder was wir sind. Eppi, Servero, Hömerl, Stuffi usw. – eine bunte Truppe.

Als die Trotzphase kam, folgte die erste Identitätsbildung – viele kamen, einige gingen. Traditionen entstanden, wie Trainingslager und Endstationparty. Wir waren auf Skitagen und –wochenenden, fuhren gemeinsam zu einem Hobbyturnier nach Millstadt. Wir hatten eine schöne, aber auch schwierige Volksschulzeit. Zwar schweissten uns die Ereignisse zusammen, trotzdem war die Endstation oft in Cliquen zerissen.

Wir stiegen von Klasse zu Klasse hoch bis in die Unterliga – nie wurden wir Meister. Mein Baby ist halt doch wie ich – nur das Notwendigste lernen. Aber in der Unterstufe festigten wir uns. Mit dem „10 Jahre Endstation“-Turnier begann wieder eine neue Phase. Konflikte zwischen einzelnen oder ein Mannschaftskonflikt mit einem von uns brachte uns noch näher zusammen. Die Pubertät wurde überwunden – die Endstation wurde zum Fixum.

Die Oberstufe brachte dann eine radikale Verjüngung. Uns Alten war der Endstationgedanke wichtig, die Jungen brachten Schwung. So schuf sich der FCEH seine eigene Identität, die mich immer wieder, vor allem aber am Sonntag zum Weinen brachte:

Sonntag Morgen: Gemeinsam mit meiner Frau und meiner jüngeren Tochter Victoria singe ich meiner Großen ein Ständchen zum 7. Geburtstag. Larissa war im Übrigen schon mit 3 Tagen auf einem Endstationspiel. Dass ich mit Frau und Kind direkt vom Spital zum Fussballplatz fuhr hat mir Babsi lange nicht verziehen.

Sonntag Mittag: Mein ältester Freund Tom (frisch zum Diakon geweiht) zelebriert die Taufe von Präsis Sohn Emil. Anschliessend ein herrliches Buffet (von meinem Freund Christian Metzker zubereitet) in sehr nettem Rahmen von der Präsidentenfamilie Felkel Aguilera-Labarca.

Sonntag 16 Uhr: Ich halte es vor Nervosität nicht mehr aus und gehe nachhause um alles Gepackte nochmals zu kontrollieren. Sekt, Bier, Meistertafel, Dressen, meine Sachen (werde ich die überhaupt brauchen?)

Sonntag 16.30 Uhr: Scheiße – hab das Licht vergessen – Batterie leer. Starterkabel holen – Fremdstarten – mit Ladi zur Marswiese düsen!

Sonntag 17.00 Uhr: Letztes Abklären mim Coach – ab in die Kabine – Umziehen – dem Schiri die Pässe geben (heute extra nett zu ihm sein!!!)

Sonntag 17:45 Uhr: Soda, ich bin fertig! Alle Spieler wärmen auf, alle Fans trinken ein Bier. Und ich? Vielleicht komm ich ja doch rein – also kein Bier. Gott sei Dank braucht der Ladi sein Kapperl – ab in die Kabine, ich hol es ihm. Dann noch aufs Häusel – entgegen der Annahme des Fanmasseurs hab ich nämlich keine Windel an. Nebenbei zähl ich mal die Fans! Naja, an die 100 werden das schon sein!

Sonntag 18:00 Uhr: Anpfiff! Sitzen? Stehen? Gehen? Hüpfen? Was soll ich nur machen? Schreien – Hüpfen – Jubeln!!!!!!!!!!!!!! Jawoooooohl! 1:0 nach 2 Minuten!!! Schramm hat weeeeeeiiiiit eingeworfen – der Ball ist zweimal aufgekommen – ein unsriger is vorbeigerutscht, aber dahinter stand noch einer! Hehe! Wer war’s? Greil? Nein doch wieder Muschimi – eh kloar!

Sonntag 18:05 – 18:43 Uhr: Nervosität steigt wieder! Wir spielen konsequent, lassen nicht viel zu, aber im Spielaufbau klappt vieles nicht! Immer wieder blicke ich auf’s Handy – smse und telefoniere mit Dosek. Zerst schaut’s nicht gut aus, dann sitzt er doch im Auto und düst von der Horr(or)- auf die Marswiese.

Sonntag 18:43 Uhr: Mike schnappt sich den Ball und marschiert. Der Stärkste unseres Gegners, der bislang an jeder Offensivaktion von Squadra beteiltigt war versucht ihn zu stoppen. Beim dritten Versuch gelingt es ihm und er wird vom Schiri mit Rot belohnt. Jetzt bitte ruhig bleiben und nicht deppert werden – wir sind einer mehr!!!

Sonntag 18:45 Uhr: Schon wieder ein superunnötiger Ballverlust – ich schreie mit 3 anderen „Oooooliiiiveeeer“. Pausenpfiff – Schreiduell mit Oliver – auweh meine Nerven! Der Kapitän hält eine Ansprache – der Coach auch. Adi wirkt auch beruhigend auf alle ein! Heee, wir führen und sind einer mehr!!! Die müssen uns noch 2 Goal machen!

Sonntag 19:00 Uhr: Anpfiff Hälfte 2. Der Gegner hat zweimal gewechselt – wir nicht!

Sonntag 19:11 Uhr: Adi kommt für Herbert. Traumpartie – im Stile eines Schweinsteigers! Leider mit Gelb belastet. Schramm geht zurück, Adi neuer Spielmacher.

Sonntag 19:20 Uhr: Johnny is da!!! Irgendwie sieht man nicht, dass wir einer mehr sind. Auch der Ladi wird nervös – hält aber einmal wichtig im eins gegen eins!

Sonntag 19:30 Uhr: Dosek für Muschal Ma.! Bei den Gegnern hat inzwischen jeder wichtige Spieler Gelb! Wir werden’s uns doch nicht in der Rapidviertelstunde nehmen lassen!!!? Jetzt kommt noch Auer für Gold. Weese geht zurück in die Verteidigung. Ich geh mal mit Pauli in die Kabine und hol das Plakat und den Sekt! Gerade als wir rauskommen, sehen wir das 2:0 durch Schmidt. Diesmal trifft er ins richtige Tor! Gefühlte 3 Minuten liegen Pauli und ich uns in den Armen!!!

Sonntag 19:35 Uhr: Coach Fekete schickt Figl zum Aufwärmen. Der vierte Wechsel. Eh klar – Figl is der bessere Kicker – ich war lange verletzt. Trotzdem überkommt mich kurzfristig Leere. OK – durchatmen! Die Mannschaft zählt! Ich richte den Sekt her, mach mir ein Bier auf! Dazu schießt Squdra ein Tor, weil Mayer den Ball nicht fängt! Nein doch nicht – Schiri gibt’s wegen Foulspiel nicht. Ufff – ich hab kein Foul gesehen!

Sonntag 19:41 Uhr: Nun bekommen wir doch ein Tor! Egal, geht nurmehr 5 Minuten, da werden wir ja wohl keine 2 Goals mehr bekommen!

Sonntag 19:44 Uhr: Der Coach ruft mich! Figerl und Andi lassen mich aufs Feld! Nun stehen mir wirklich Tränen in den Augen! Ich vergesse den Überzieher und die Sonnenbrille und will nurmehr hinein! Andi bemerkts und nimmt mir beides ab!

Sonntag 19:47 Uhr: Der Gegner will mit einem Haken an mir vorbei. Ist es auch! Nein, einehauen kann ich immer noch. Foul – Gelbe – Wurscht!

Sonntag 19:49 Uhr: Schlusspfiff! Ich sinke zu Boden, kurzzeitig ist es ganz still! Dann Abklatschen mit Freunden und Gegnern – Hüpfen – Singen – Sektduschen – Umarmen – Abbusseln.

Sonntag 20:05 Uhr: Der Schiri erwartet mich schon zum Unterschreiben. Gratulation! Aus der Kabine dringt unglaublicher Lärm!!!

Sonntag 20:10 – 20:35 Uhr: Kabine – Das bleibt unter uns!

Sonntag 20:40 – 21:10 Uhr: Auf der Terasse noch ein Biertschi trinken und Telefonieren. Wieder viele Glückwünsche.

Sonntag 21:15 Uhr: Batterie noch immer zu schwach – Herbert hilft!

Sonntag 21:30 – 24:00 Uhr: Beim Chinesen sind 50 !!! Leute!!! Unglaublich! Singen, Jubeln!!! Auch eine Ansprache von Präsi und mir wird gefordert. Der Markus sagt dann eh schon alles – ich kann mich auf das Emotionale beschränken. Nach dem Essen sage ich nur noch: Endstation, mit 18 maturiert man, wenn man kann. Du hast das mit Auszeichnung gemacht – Hut ab!

So ein Taaaag, so wunderschöööön wie heeeute …

Euer Mathias alias Matiasch oder Knackal

3 Kommentare

  1. Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön, so was hat man nie zuvor gesehen so schön, so schön!
    Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön, so was hat man nie zuvor gesehen so schön, so SCHÖN!!!!!!!!!
    MEISTERRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. Bei diesem Bericht von Mathias durchlebe ich auch noch einmal die bangen Minuten, die dann auf einmal sooo lange wurden. Das war echt ein großes Finale mit einer guten, soliden Vorbereitung, die unter diesen Umständen dann tadellos von der Mannschaft in Szene gesetzt wurde! Natürlich waren wir nervös, aber wir haben uns auf die Hauptaufgabe, nämlich dieses eine Match noch positiv als Tabellenführer zu bestreiten, fokussiert und damit für ein Hobbyteam bestmöglich alles andere ausgeblendet. Danke, dass wir so früh in Führung gegangen sind, noch eines drauf gelegt und das Anschlusstor so spät kassiert haben! Dazwischen war nicht alles gut, aber an diesem Tag waren viele Faktoren auf unserer Seite. Über eine ganze Saison mit dieser Bilanz so konstant die Punkte zu sammeln, war eine ganz neue Qualität der Endstation. Leider konnte ich das Match aufgrund der Anspannung nicht genügend auskosten, aber das haben wir ja danach aufgeholt. Ich freue mich schon sehr über das gesammelte Foto- und Filmmaterial, falls es nicht wieder direkt ins Endstation-Archiv wechselt! 😉 Jedenfalls ist die Brust noch immer angeschwollen von diesem einmaligen Erfolg und diese Story ist definitiv etwas für die Enkerl. Wir (also alle, die auf, neben dem Spielfeld oder auch nur in der Kantine 😉 etwas dazu beigetragen haben) können gemeinsam mächtig stolz auf das erreichte (nicht immer gesteckte) Ziel sein. Der Teamgedanke hat gesiegt, das macht mich echt glücklich. Es war mir eine große Ehre, mit dem Jonny in den Farben des deutschen und DSG 1. Klasse A-Meisters so nah dabei gewesen zu sein …

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